Scharf, ey!

Verbrochen von Herrn Olsen am 24|11|2010

Vermutlich wird über kein fotografisches Thema mehr diskutiert als über die Schärfe. Schärfen scheint sowas wie der heilige Gral der Digitalfotografie zu sein. Es wundert einen, dass es noch keine VHS-Kurse für rituelles Schärfen, Mondphasenabhängiges Schärfen oder Schärfen mit Schüsslersalzen gibt.
Unzählige, bisweilen esoterisch anmutende Tutorials drehen sich nur um das eine Thema: Wie quetsche ich auch noch den letzten Kantenkontrast aus den Fotos von Oma Hildes letztem Tanz-Tee?

ZWILLING Twin Cermax

Höllisch Scharf und Made in Solingen (Klick macht groß)

Und es stimmt: Schärfen ist wirklich eine Wissenschaft für sich.
(Allerdings nicht so schwierig wie Quantenmechanik)

Man sollte zunächst wissen, was die fotografische Schärfe überhaupt ist:
Dieser Wikipedia-Artikel sollte helfen.
Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man per EBV immer nur den Schärfeeindruck eines Bildes erhöhen kann. Eine bessere tatsächliche Schärfe erreicht man mit keiner Bildbearbeitung der Welt.
Das digitale Schärfen in der Bildbearbeitung (und hier insbesondere der “Radius” Parameter bei USM-basierten Schärfungsverfahren) ist (neben der beabsichtigten Bildwirkung natürlich) immer von der angestrebten endgültigen Auflösung, dem zu erwartenden Betrachtungsabstand und sogar dem endgültigen Ausgabemedium abhängig.
Die feinsten Details in einer 20Megapixel-Datei zu schärfen ergibt keinen Sinn, wenn man sie anschließend auf Webgröße eindampft.
Ein Radius von 5 Pixeln, der in der Originaldatei die Haarsträhnen des Models so schön zur Geltung bringt ergibt auf ein  800x600px-Bild angewandt einfach nur Halo-Matsch.
Ohnehin ist es sinnvoll die Schärfung erst nach einer eventuellen Verkleinerung des Bildes auf das endgültige Format anzuwenden. Die Verkleinerungsroutinen der gängigen Bildbearbeitungen filtern nämlich gerne harte Kanten heraus um Moiré-Muster oder Treppchenartefakte zu vermeiden. Dabei gehen auch vorher angewandte Verschärfungen größtenteils zum Pixelteufel.
Es kann außerdem sinnvoll sein, bestimmte Partien eines Bildes unterschiedlich stark zu schärfen, oder sogar ungeschärft zu belassen.

Lange Rede, schwacher Sinn.
Hier gibt es das umfangreichste und interessanteste Tutorial zum Thema digitales Schärfen dass ich bisher gelesen habe.
Ganz großes Hockey.

Das Dumme ist nur: Schlechte Bilder werden durch Nachschärfen nicht besser. Sie sehen nur schärfer aus. (-;

Deshalb stehe ich auf dem Standpunkt, dass die Schärfe möglichst schon beim Druck auf den Auslöser so gut wie möglich sein sollte.
Und wie das geht sagt uns Andreas Hurni (den ich wegen seiner genialen “Schreibe” immer wieder lesen könnte) in diesem Artikel.
Äußerst lesenswert.

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